Messa da Requiem – Giuseppe Verdi – 2018


Konzerthinweis 2018

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Sonntag, 28. Okt. 2018

Ref. Kirche Wetzikon

 

Verdi Requiem

für vier Solostimmen, Chor und Orchester

  • Trudy Walter; Sopran
  • Bettina Weder; Alt
  • Matthias Aeberhard; Tenor
  • René Perler; Bassbariton
  • Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz
  • Singkreis Wetzikon in Zusammenarbeit mit Cäcilienchor Wetzikon & Madrigalchor Wetzikon

 

  • Ticketvorverkauf ab 13. Oktober 2018:

→  Papeterie Köhler, Bahnhofstrasse 152, 8620 Wetzikon, 043 495 27 27

→  Online: www.ticketino.com (ab 13. Oktober hier direkter Link)

 

© Design by Fenna Spaak

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Verehrtes Publikum

Das Verdi-Requiem erstmals in Wetzikon! Welche kulturelle Ansage für unsere Stadt! Der Singkreis Wetzikon als Veranstalter freut sich, Ihnen dieses einzigartige Werk in einer grossformatigen Besetzung zu präsentieren. Zusammen mit dem Madrigalchor Wetzikon (Einstudierung und Leitung Beat Spörri) und dem Cäcilienchor Wetzikon, den ich selbst seit über zwanzig Jahren leite, singen diese drei traditionelle Ortsvereine in einem bedeutenden Projekt erstmals gemeinsam. Die stimmlichen Herausforderungen an sie wie auch an die Solisten sind gewaltig, die Dramatik zwischen hauchig geflüsterten Passagen und durchschlagender vokaler Wucht wie zum Beispiel im viermal erklingenden „Dies irae“ unübertroffen. Und immer wieder schenkt uns der Komponist auch musikalischen Ausdruck in Zäsuren und Pausen: „Die Kraft des Schweigens“ wird erlebbar im Zögern, im Innehalten und manchmal gar im stotternden Suchen oder nach einem jähen Abbruch mitten im Fluss der Musik. Diese enorme Vielfalt an Gestaltungskraft, an Nuancen auch im Feinen, im fast Unhörbaren – dies alles beeindruckt uns seit den ersten Proben. Und es begeistert uns!

Nach dem Tode von Gioacchino Rossini inspirierte Giuseppe Verdi zahlreiche Komponisten, mit ihm gemeinsam im Andenken an den grossen Meister der Belcanto-Oper eine Totenmesse als Gemeinschaftswerk zu schreiben. Er selbst übernahm mit dem „Libera me“ den letzten Satz des Requiem-Librettos. Für uns als Aufführende ist dieser Umstand von grosser Bedeutung. Denn als Verdi sich dann doch entschloss, die ersten sechs Teile auch noch zu vertonen und damit dem Werk als ganzes die eigene Gestalt zu geben, gelang ihm höchst Erstaunliches! Wir empfinden heute dieses Werk als geschlossenes Ganzes und erleben sowohl als Ausführende wie auch die Zuhörerschaft, dass sich aus den ersten leisen Klängen des Anfangs ein weiter Bogen bis zum Schluss mit dem „Libera me“ spannt. Wie wenn dies die ursprüngliche Idee und Konzeption gewesen wäre! Der vor allem vom Streichorchester begleitete Chor-Beginn findet seine Entsprechung im letzten Satz als a-cappella Version mit Sopran-Solo und einen halben Ton höher. Nach fast eineinhalb Stunden wirkt dies wie entrückt, bevor dann in der grandiosen Fuge „Libera, me Domine“ nicht mehr um Befreiung gebetet oder gebeten wird. Vielmehr wird sie ultimativ verlangt und Gott damit herausgefordert. Es ist nicht die Anmassung des Menschen an die höhere Macht, sondern höchste Verzweiflung, welche zu diesem hochdramatischen Ausbruch führt. Am Ende beruhigt sich dieses Aufbegehren und wendet sich in Demut der absoluten Stille zu.

Verdis Verhältnis zur katholischen Kirche war zerknirscht. Als junger Familienvater verlor er innerhalb eines halben Jahres seine beiden Kinder und seine erste Frau. Die immense Trauer in diesem jungen Musiker-Leben führte eher zum Hader mit Gott als dass darüber sein Glaube bestärkt worden wäre. Eine ihm verweigerte Organistenstelle hatte vielleicht nicht so grossen Einfluss auf seine Mentalität gegenüber dem Klerus. Aber dessen allgegenwärtige Macht störte ihn massiv. Und als er mit seiner neuen Partnerin im Konkubinat lebte und die beiden von der Gesellschaft ihres Dorfes geächtet wurden, ging dies so weit, dass sonntags die Kirchenbänke um dieses sündige Paar leer blieben. Die Geistlichen Würdenträger in Verdis Opern sind oft als unangenehme, unsympathische Personen dargestellt und daher nicht geeignet, die Wertegemeinschaft Kirche als etwas Positives zu vermitteln. Wie konnte dieser begnadete Komponist uns mit all dieser Widerwärtigkeiten trotz all dieser Probleme solch grossartige geistliche Musik schenken? Vielleicht widerspiegelt im Requiem die opernhafte Dramatik auch den Spannungsverlauf seiner eigenen Biografie mit dieser manchmal gar nicht einfachen Kirche?! Und wer mit fünfundzwanzig Jahren kurz hintereinander seine ganze Familie zu Grabe trägt, der birgt das Gefühl dieser grossen Trauer ein Leben lang in sich.

Ich wünsche mir – auch im Namen aller Mitwirkenden – dass wir diesem Spannungsfeld gerecht werden können und im Konzert mit der lauten Aussage zu begeistern vermögen. Aber auch, dass uns im Bereich der feinfühligen Nuancen, im leisesten Pianissimo oder mit dem Innehalten, den Zäsuren, einiges gelingen darf, womit wir Sie und Ihre Empfindungen zu berühren vermögen.

Reto E. Fritz